Morgan, Lara: Sarantium – Die Zwillinge

Drachen sind toll. Abtrünnige Götter sind toll. High Fantasy mit starken Frauenfiguren und von Autorinnen ist toll. Die Leseprobe zu Lara Morgans „Sarantium – Die Zwillinge“ war toll. Der Roman selbst? Meiner Meinung nach leider nicht wirklich toll.

(minimale) SPOILER VORAUS!

In „Sarantium – Die Zwillinge“ geht es, wie schon gesagt, um eine Welt voller Drachen, in der ein abtrünniger Gott aus der Verbannung zurückkehrt, und, wie der Titel recht eindeutig verrät, um Zwillinge. Erzählt wird die Geschichte aus den Perspektiven von Shaan, einer Waise in der Hauptstadt Sarantiums, die von seltsamen Träumen gequält wird und irgendwie mit dem abtrünnigen Gott, dessen Rückkehr alle fürchten, in Verbindung steht, und Tallis, einem jungen Clansmann, der aufgrund seiner seltsamen Fähigkeiten ausgestoßen wird. Dass die beiden nicht als Liebespaar enden werden, sollte jedem einigermaßen aufmerksamen Leser spätestens dann klar werden, wenn betont wird, was für außergewöhnliche Augen sie doch haben. Ich finde ja, dass allein der Titel in Kombination mit den zwei Perspektiven ein relativ deutliches Give Away war, wer denn die titelgebenden Zwillinge sind.

Und wo wir schon bei Liebespaaren sind: Romantik ist in diesem Roman eindeutig nicht das Hauptthema, niemand geht eine Beziehung ein, dafür gibt es aber ein ganz eindeutiges Set-up für die nächsten Bände. Ich habe beim besten Willen nichts gegen fehlende Liebesgeschichten, für mich ist das sogar eindeutig eher ein Pluspunkt, aber hier ist es wirklich nicht sonderlich elegant gemacht und gerade Shaans Perspektive war mir zu sehr geprägt von „oh, der Typ ist heiß, oh, auf den stehe ich, aber das will ich mir selbst ja nicht eingestehen“ und ähnlichem.

Überhaupt bin ich mit Shaan nicht warm geworden. Während Tallis recht erwachsen und reif wirkt, steht Shaan überraschend oft hilflos da und muss gerettet werden – und mit ihrer Hintergrundgeschichte und der harten Kindheit auf der Straße, während derer sie auf sich allein gestellt war, passte das nicht wirklich zusammen. Im Vergleich dazu war Tallis weitaus kompetenter und er hat sich auch im Laufe des Romans wesentlich besser entwickelt als Shaan, was ich schade fand, denn eigentlich mag ich so kratzbürstige Figuren wie Shaan, aber nicht, wenn sie ohne wirkliche Gründe plötzlich als schwach dargestellt werden.

Auch sonst konnte mich Lara Morgan mit „Sarantium – Die Zwillinge“ nicht so recht überzeugen, wobei ich mir da nicht sicher bin, ob es nicht vielleicht auch an der Übersetzung lag. Denn nach einer Weile ist mir der Schreibstil fürchterlich auf den Geist gegangen, die Sprache und Formulierungen waren einerseits oft platt, andererseits gab es gleichzeitig auch die High-Fantasy-typischen Wort- und Namensschöpfungen und das hat meiner Meinung nach so gar nicht zusammen gepasst. Dadurch war der Roman auf Dauer einfach unrund, besonders weil das Worldbuilding auch bei weitem nicht so ausgereift war, wie ich es mir erwünscht hätte. Schade, denn eigentlich waren die Grundideen der Geschichte durchaus vielversprechend.

Für mich war Lara Morgans „Sarantium – Die Zwillinge“ leider eine Enttäuschung, denn trotz vieler vielversprechender Grundideen und einiger kreativer Ansätze für den Umgang mit gängigen Fantasy-Tropes, waren es vor allem die Sprache und die Protagonistin, die mich einfach nicht begeistern konnten. Es mag sein, dass sich zumindest ein paar meiner Probleme in den weiteren Bänden legen würden, aber gerade die Tatsache, dass die Frauenfiguren hier letzten Endes doch so enttäuschend und oft klischeehaft dargestellt wurden, ist für mich ein Grund, die Serie nicht weiter zu verfolgen.

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♥ Rezensionsexemplar ♥
Sarantium - Die Zwillinge () von

The Twins of Saranthium: Awakening, übersetzt von
Genre:
Verlag: , Januar 2018
ISBN: 9783734161339, taschenbuch, 512 Seiten
Mehr Infos zum Buch beim Verlag

Inhaltsangabe:
Wenn der Herr der Drachen erwacht, müssen die Drachenreiter sich zum Kampf rüsten ... Es ist Shaans größter Traum, eine Drachenreiterin zu werden und ihr Volk vor seinen Feinden zu beschützen. Doch in ihren Träumen wird sie von den Bildern einer brennenden Stadt heimgesucht – und von einer Stimme, die in einer uralten Sprache, der Sprache der Drachen, zu ihr spricht. Denn Azoth, der finstere Herr der Drachen, ist erwacht und will seine Tyrannei über die Welt erneuern. Nur der junge Barbarenkrieger Tallis könnte Shaan in ihrem einsamen Kampf beistehen – denn auch er hat Macht über die Drachen …

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