Queere Medien: Why representation matters and what it means to me

Es ist eine ‚Diskussion‘, die immer wieder auftaucht: Warum ist Repräsentation so wichtig? Und warum folgen, wenn irgendwo von irgendwem der Wunsch nach mehr oder besserer Repräsentation geäußert wird, meist sofort entrüstete Aufschreie, dass doch alles cool ist, so wie es ist? Zuletzt ist das Katriona auf Twitter passiert, aus deren Aufruf an Blogger queere Charaktere in ihren Rezensionen zu erwähnen sich eine völlig absurde ‚Diskussion‘ mit einem Verlag schwuler Literatur entwickelt hat:

Was hier unter anderem als Reaktion auf Katrionas Tweet kam, ist etwas, was oft als Gegenargument zu hören ist, wenn Leute mehr Präsenz und Sichtbarkeit für queere Figuren in der Literatur fordern: Es gibt im deutschen Literaturbetrieb doch eine ganze Reihe von Nischenverlagen, die sich auf schwule Romane spezialisiert haben! Reicht das nicht? Schließlich sind auch Verlage vor allem erstmal eins, nämlich Wirtschaftsunternehmen, die einen Profit erzielen wollen. Und wenn man einen Fokus auf marginalisierte Figuren forciert, naja, das verkauft sich halt nicht so gut. Also sollten die Nischenverlage mit ihrem Angebot an vorwiegend schwuler Literatur doch reichen, oder nicht?

Nein. Das reicht nicht. Nicht einmal ansatzweise!

Wenn ich mir Repräsentation wünsche, dann möchte ich Menschen wie mich sehen – keine fetischisierten, übersexualisierten Fantasien, die vielleicht das Deckmäntelchen der Repräsentation und Vielfalt tragen, aber eigentlich nicht das geringste damit zu tun haben. Denn wie auch der schwule Verlag in besagter Twitterdiskussion selbst geschrieben hat: Seine Bücher richten sich vornehmlich an Frauen.

Anders – und allein?

Warum Repräsentation wichtig ist, ist eigentlich ganz einfach: Leute (und gerade Kinder) brauchen Identifikationsfiguren, role models, Vorbilder.

Ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, in dem Sexualität kein Thema war, außer vielleicht als Material für Witze beim Familientreffen, nachdem die Kinder schon im Bett waren. Der Punkt, an dem Sexualität ein Thema wurde, war als ich aufs Gymnasium kam und plötzlich alle anfingen von Jungs zu schwärmen und dann auch irgendwann die ersten Sex hatten. Großes Thema. Und eins, bei dem mir schon mit 11 klar war, dass ich damit einfach nichts anfangen konnte.

Das große Problem für mich war: Wenn Sexualität im Allgemeinen schon nicht besprochen wurde, dann war Homosexualität im Besonderen erst recht ein Tabuthema. Und alles darüber hinaus nicht mal als Tabuthema im Bewusstsein der Menschen in meinem Umfeld. Ich bin in meiner Kindheit und Jugend nie (bewusst) Menschen begegnet, die nicht heterosexuell waren. In meinem sozialen Umfeld waren die nicht sichtbar und in den Medien wurden sie nicht repräsentiert. Und wenn du nicht weißt, dass es andere Menschen gibt, die so sind wie du, dann denkst du halt, dass mit dir irgendwas falsch sein muss, denn du bist ja offensichtlich nicht so wie die anderen.

Was da hilft ist, quite obviously, Repräsentation: Als ich Medien mit homosexuellen Protagonist_innen entdeckt habe – Stadtbibliothek und Internet sei Dank! – war das für mich eine ziemliche Offenbarung. Geschichten zu lesen und zu sehen, in denen Menschen vor kamen, die eben nicht hetero sondern queer und gleichzeitig ganz normal waren, hat mir gezeigt, dass ich eben auch normal bin. Und das war eine verdammte Erleichterung.

I am not your sex-object

Gleichzeitig sind viele der Sachen, die ich damals gelesen und gesehen habe eigentlich ziemlicher Mist gewesen. Denn, und da sind wir wieder bei dem Punkt, den ich oben schon mal angesprochen hatte: Sie waren weder von noch für queere Leute geschrieben.

Gerade im Gay Romance Bereich finden sich vornehmlich Bücher, die von Frauen für Frauen geschrieben wurden. Das ist ungefähr so wie Lesbenpornos, die von Männern für Männer gemacht wurden. Fetischisierung³ und die hat so gar nichts mit der Realität zu tun, sondern reproduziert in 99% der Fälle hemmungslos schädliche Klischees und Stereotypen und degradiert eh schon marginalisierte Menschen zu Sexobjekten für ’normale‘ Menschen. Und damit kommen so viele Probleme, dass es darüber seit Jahren immer wieder Artikel gibt – hier zwei zur Auswahl:

Repräsentation – vielfältig und realistisch

Was bedeutet das also für queere Repräsentation in den Medien? Ganz einfach: Dass es mit dem einen oder anderen schwulen Verlag nicht getan ist. Denn a) ist schlechte Repräsentation unter Umständen noch schädlicher und zumindest ebenso schädlich wie gar keine, b) es gibt wesentlich mehr queere Menschen als nur schwule Männer und c) queer rep ist keine Nische, es ist kein Genre, kein Trend und kein plot device.

Was her muss, sind Bücher aus allen Genres und aus allen Bereichen der Literatur, die queere Figuren als ganz normale Charaktere enthalten – und zwar alle möglichen queeren Figuren, egal ob schwul, lesbisch, bi oder pan, ob ace oder aro, ob trans, agender oder enby. Was ich mir wünsche, sind Geschichten, in denen die Held_innen halt queer sind, aber in denen es nicht um diese Queerness geht. Klar, auch Coming-Out Romane und Liebesgeschichten sind richtig und wichtig, aber queere Figuren können auch außerhalb dieser in Fantasy, SciFi, Krimis oder was auch immer existieren und Abenteuer erleben, die nicht durch ihre Queerness definiert sind – genau wie queere Menschen erstmal und vor allem ganz normale Menschen sind und ganz normale Dinge erleben, ohne dass sie dabei einzig und allein von ihrer Queerness definiert werden.

Und dazu ist es eben auch wichtig, dass Autor_innen sich bewusst sind was sie da schreiben und für wen sie schreiben. Und, wenn sie über Themen schreiben, von denen sie nicht selbst direkt betroffen sind, sollten sie wissen, wie sie das am besten tun und sich z.B. sensitivity reader suchen. Das gilt btw nicht nur für Autoren, die über queere Charaktere schreiben, sondern auch für alle anderen marginalisierten Gruppen. Repräsentation ist für alle wichtig und für alle ist wichtig, dass diese gut gemacht ist.


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    Ob wirklich schlecht oder einfach nicht der richtige Zeitpunkt: Dieses Buch habe ich abgebrochen
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    Überzeugen konnte mich dieses Buch leider nicht, auch wenn es gute Ideen hatte.
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    So lala. Dieses Buch war weder gut noch schlecht und wahrscheinlich werde ich es nächste Woche wieder vergessen haben.
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    Dieses Buch war ziemlich gut, aber ein paar Kleinigkeiten haben mich doch noch gestört.
    🧡🧡🧡🧡🧡
    Wirklich, wirklich gut. An dem Buch gab es quasi nichts, das mich gestört hat.
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    Sooo gut! Ein Buch, das direkt ins Allzeit-Lieblingsbücher-Regal gewandert ist.

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