Eine Ära geht zu Ende – Marvel’s Avengers: Endgame

Letzte Nacht um 00.00 Uhr war es so weit: „Avengers: Endgame„, der 22. Film des MCU lief in deutschen Kinos an und weil ich im Rahmen eines Avengers-Double-Features in der Mitternachtspremiere des Films war, kann ich euch jetzt schon meine Meinung dazu verraten, yay! Die mag sich zwar vielleicht hier und da nochmal ändern, wenn ich den Film ein zweites Mal sehe, aber das werden höchstens noch Details sein.

Zusammengefasst und spoilerfrei bedeutet das: „Avengers: Endgame“ war ein bildgewaltiges Filmspektakel voller Action, Humor und Kitsch und vor allem Fanservice, das trotz der gut drei Stunden Spielzeit unterhaltsam und kurzweilig war. ABER, und ja, es gibt ein aber, ich hatte so ~1,5 Probleme mit dem Film, von dem mich eins wirklich, wirklich sehr gestört hat.

Eine Hommage an elf Jahre Filmgeschichte

Aber fangen wir mit den coolen Dingen an: Ich hatte wirklich wahnsinnigen Spaß dabei, den Film zu gucken. Er ist eine dreistündige Hommage an elf Jahre Filmgeschichte, eine Art filmischer Liebesbrief sowohl an die Held*innen, die Millionen begeistern konnten, als auch an eben diese Fans. „Avengers: Endgame“ ist ein Erlebnis und die Mitternachtspremiere im Double Feature war großartig – was nicht zuletzt auch am Publikum und dessen Begeisterung lag.

Denn wahnsinnig viele Szenen des Film bauen genau darauf auf: Die gespannte Erwartung des Publikums, was denn nun aus ihren Held*innen wird. Ihr erinnert euch an die Szene in „Infinity War“, in der Cap hinter der vorbeifahrenden Bahn auftaucht? Als ich den Film im Kino gesehen habe, brach ein Großteils des Publikums in begeisterte Ausrufe und Applaus aus. Von genau diesen Szenen – hochdramatisch, aufgeladen mit (teils vielleicht minimal *hust* übertriebener) Marvel-Symbolik, visually stunning, meist untermalt mit verdammt guter Musik – gibt es in „Avengers: Endgame“ eine ganze Reihe.

Überhaupt: „Avengers: Endgame“ ist ein Film für Fans. Er zwingt nicht nur seine Charaktere bis zum Äußersten zu gehen, sondern treibt auch die Elemente, die Marvel und seine Superheld*innen in 21 vorherigen Filmen ausgezeichnet haben, auf die Spitze. Egal, ob es der abgedrehte Humor ist, der sich in einigen der letzten Filmen durchgesetzt hat, die spektakulären Actionszenen und insbesondere die fulminanten Endkämpfe, die es im MCU eigentlich schon immer gab, oder die grenzwertig kitschigen Romanzen und „(Wahl)Familie über alles!“-Momente, die sich durch die Filme ziehen.

Dabei ist die Handlung an sich relativ straight forward. Ohne jetzt den Plot zu spoilern, aber es ist eigentlich im Großen und Ganzen nichts passiert, was ich nicht eh schon erwartet hätte. Es passiert, was passieren muss, damit die MCU Held*innen ihre Geschichte zum Abschluss bringen können. Die groben Handlungselemente sind dabei wenig überraschend, relativ schnörkellos und ziemlich gradlinig. Der Charme des Films kommt von den einzelnen, kleineren und meist direkt charakterbezogenen Momenten und der insgesamt so zugespitzten Dramatik der Story.

Das funktioniert, wenn man sich als Fan auf diesen Film, der quasi randvoll ist mit Pathos, einlassen kann. Und das funktioniert vor allem auch wegen diverser Überraschungsmomente. Ein Grund, warum ich „Avengers: Endgame“ in all seiner kitschig-epischen Pracht zwar für einen ziemlich großartigen Abschluss für die ersten drei Phasen des MCU halte, aber nicht glaube, dass der Film gut altern wird. Dafür ist er zu over the top und zu abhängig vom Hype darum, wie es wohl ausgehen wird – zu viele Momente, die auf der angespannten Erwartung des Publikums aufbauen und den Film für mich zwar zu einem Event gemacht haben, aber die nach dem ersten Gucken vermutlich doch immer weniger effektvoll werden.

The Endgame – but not the end

Eine Sache, die ich ebenfalls ziemlich weird finde: „Avengers: Endgame“ ist, wie schon gesagt, meiner Meinung nach ein verdammt gelungener Abschluss für elf Jahre MCU. Nur dass er gar nicht der letzte Film der dritten MCU-Phase ist. Denn das wird nach neusten Aussagen nun doch „Spider-Man: Far From Home“ sein, der ja zuvor immer schon Phase 4 zugeordnet wurde und bei dem noch nicht so ganz klar ist, ob er zeitlich vor oder nach Infinity War / Endgame spielen wird. Wenn er aber vorher spielt: Warum wird er dann erst nach „Avengers: Endgame“ ausgestrahlt? Das Timing ist einfach seltsam. Und egal, ob er nun vor oder nach dem großen Endkampf gegen Thanos spielt: Er ruiniert halt doch ein bisschen den Effekt von Endgame als fulminanten Abschluss der Filmreihe.

Auch sonst ist die große Frage, wie es weitergehen wird. Was wird aus „Guardians of the Galaxy 3“? Einen kurzen Kommentar dazu findet ihr weiter unten bei den Spoilern. In wie weit werden die Held*innen, die am Ende der dritten MCU-Phase nun noch übrig sind, in Phase 4 wieder aktiv werden? Da wird dann plötzlich auch Disney+ interessant, denn wann spielen deren Marvel-Serien? Schließen sie – wie Kevin Feige ja wohl angedeutet hat – tatsächlich an Phase 3 an oder spielen sie irgendwo vor „Avengers: Endgame“?

Ich hoffe ja sehr, dass Marvel da einen mehr oder weniger sauberen Schlussstrich zieht und das MCU größtenteils mit neuen Held*innen bevölkern wird und diejenigen, die nach „Avengers: Endgame“ noch erzählenswerte Stories haben, zumindest größtenteils auf Disney+ Serien auslagert. Der Aufbau dieses Films als fulminantes Abschlussspektakel bietet sich dafür jedenfalls an, auch wenn Spider-Man die Sache halt etwas awkward macht.

SPOILERS (more or less?) AHEAD

Es geht um Captain Marvel, mein größtes Problem mit „Avengers: Endgame“, Thor und die Guardians!


Carol Danvers aka. Captain Marvel

Ich liebe den Comiccharakter Carol Danvers. Und Captain Marvel ist allein deshalb meiner Meinung nach super wichtig, weil es mit ihr endlich eine titelgebende Heldin im MCU gab. Aber wer mein Review zu „Captain Marvel“ gelesen hat, wird wissen, dass ich den Film, trotz meiner Begeisterung für den Charakter, nicht wirklich überzeugend fand. Und jetzt, nachdem ich „Avengers: Endgame“ gesehen habe, bin ich leider so richtig enttäuscht davon, was die Verantwortlichen des MCU aus diesem Charakter gemacht haben.

Das Problem und der eine Punkt, der mich an „Avengers: Endgame“ wirklich so richtig gestört hat? Captain Marvel ist absolut und total überflüssig für diesen Film. Nicht nur kriegt der Charakter kaum Screentime, wenn Carol mal über die Leinwand fliegt, ist sie auch noch pures Plotdevice – und ein absolut unnötiges noch dazu, denn 50 % von dem, was sie tut, ist irrelevant für die Filmhandlung und die andere Hälfte hätte auch einfach anders gelöst werden können. Und es gibt im MCU zwar immer wieder Charaktere, deren Existenzberechtigung ein wenig zweifelhaft ist, aber das sind dann Nebencharaktere, deren hauptsächliche Funktion Dinge wie comic relief oder moral guideline für den Titelhelden sind – die titelgebenden Helden haben dann meist doch zumindest etwas mehr Agenda.

Dazu kommt, dass von den gefühlt fünf Sätzen, die sie äußert, fast alle irgendwie verdammt … bitchy? snarky? Irgendwie seltsam aggressiv rüberkommen? Versteht mich nicht falsch, ich mag Charaktere, gerade weibliche, die nicht immer nur sympathisch, lieb und nett sind. Aber Carol hat schon in ihrem eigenen Film eher wenig bzw. nur eine recht oberflächliche Charakterisierung abbekommen und kriegt in diesem Film noch weniger, sodass ihre Interaktionen mit den Avengers größtenteils einfach wahnsinnig flach, etwas weird und rundherum überflüssig wirken.

Warum ist Carol in diesem Film? Warum ist sie überhaupt im MCU? Nach diesem Film habe ich ein wenig das Gefühl, dass der einzige Grund dafür ist, dass irgendwer der Meinung war, man müsse halt jetzt noch schnell eine Heldin einführen – und die dann eben auch irgendwie in Endgame unterbringen. Immerhin gibt es so im finalen Kampf eine wallpaper-worthy all-female-heroines scene (btw auch eine der wenigen Szenen, die Okoye zeigen). Mehr Positives fällt mir zu Captain Marvel leider wirklich nicht mehr ein und das ist so verdammt schade, weil ich den Charakter wirklich liebe, aber ihre Einführung ins MCU einfach so unschön gemacht finde, vor allem jetzt nach Endgame.

Thor & the „Asguardians of the Galaxy“

Oh dear … Ich muss sagen, nach den ersten beiden Thor-Filmen, die ich ziemlich grottig fand, konnte mich der hammerschwingende Gott in „Thor: Ragnarök“ dann doch noch von sich überzeugen und in „Avengers: Infinity War“ fand ich auch die Kombi aus Thor und den Guardians of the Galaxy verdammt gelungen. Beziehungsweise die Kombi aus Thor, Rocket und Groot. In „Avengers: Endgame“ finden Thor und Rocket auch wieder zusammen und es ist … ridiculously over the top and absolutely hilarious.

Wie so ziemlich alles in diesem Film werden auch die komödiantischen Elemente, die „Thor: Ragnarök“ und die Guardians-Filme ausgezeichnet haben, auf die Spitze getrieben. Das funktioniert für diesen einen Film ganz gut, aber es ist ein wenig wie mit dem „Asguardians of the Galaxy„-pun, den Thor bringt, als er am Ende des Films mit den Guardians in neue Abenteuer aufbricht: Eigentlich ist es ziemlich platt und so lustig es beim ersten Mal auch ist, auf Dauer wird das vermutlich ziemlich nervig.

Ob ich mir Dude-Thor und sein macho-posturing mit Quill, der Gamora hinterhertrauert (hinterherjagt?), einen ganzen Film lang antun will? Oh hell, no! Es bleibt also abzuwarten, was genau aus „Guardians of the Galaxy 3 “ wird. Aber aktuell sind meine Hoffnungen nicht sonderlich groß und meine Erwartungen nicht allzu hoch.

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Avengers: Endgame

🎬🎬🎬🎬🎬

Regie: Anthony Russo, Joe Russo
Marvel Studios, April 2019
181 Minuten, FSK 12

Kategorien: Comics & Co, Kino
Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , ,
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    Ob wirklich schlecht oder einfach nicht der richtige Zeitpunkt: Dieses Buch habe ich abgebrochen
    💜
    Das war eindeutig nicht mein Buch. Aber so gar nicht.
    💙💙
    Überzeugen konnte mich dieses Buch leider nicht, auch wenn es gute Ideen hatte.
    💚💚💚
    So lala. Dieses Buch war weder gut noch schlecht und wahrscheinlich werde ich es nächste Woche wieder vergessen haben.
    💛💛💛💛
    Dieses Buch war ziemlich gut, aber ein paar Kleinigkeiten haben mich doch noch gestört.
    🧡🧡🧡🧡🧡
    Wirklich, wirklich gut. An dem Buch gab es quasi nichts, das mich gestört hat.
    💖💖💖💖💖💖
    Sooo gut! Ein Buch, das direkt ins Allzeit-Lieblingsbücher-Regal gewandert ist.

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