Comics kurzgefasst #3

Zugegeben, auch die beiden „Comics kurzgefasst“ Beiträge von letzter und vorletzter Woche enthielt eigentlich nur erste Volumes. Heute ist es aber thematisch etwas gemischter (und von den Bewertungen her auch *hust*). Ich hoffe, es ist was interessantes für euch dabei!

Mixed 1st Volumes

DC Bombshells Vol. 1: Enlisted

von Marguerite Bennett (Story) und #1 – #3: Marguerite Sauvage (Art, Colors) | #4: Laura Braga (Art) und Wendy Broom (Colors) | #5: Stephen Mooney (Art) und Wendy Broom (Colors) | #6: Ted Naifeh (Art) und Doug Garbark (Colors)

Okay, eigentlich gehört „DC Bombshells“ in den Beitrag mit enttäuschenden Comics, der in ein paar Wochen online gehen wird, aber da ich die Serie immer noch lese (auch wenn ich derzeit etwas hinterher bin), wäre das irgendwie nicht richtig. „DC Bombshells“ ist relativ schrottig, aber was soll man von einem Comic, der auf einer Reihe von übersexualisierten (und überteuerten) fanservice Sammelfiguren im Pin-Up Style basiert, auch erwarten?

In einer alternativen WWII-Welt, in der die Männer alle an der Front kämpfen oder sonst wie abwesend oder unbrauchbar sind, sind nun die Ladies an der Reihe, den Krieg zu beenden. Optisch finde ich die Bombshells zumindest anfangs einfach großartig, Marguerite Sauvages Charaktere sind zum Glück nicht so dermaßen übersexualisiert, wie die Figuren, auf denen sie basieren, es schimmern aber immer wieder Pin-Up-Style Elemente durch – die Bilder sind klar, die Farben weich und mein Geschmack ist damit genau getroffen.

Leider übernehmen ab Issue #4 andere Künstler und alles wird härter und zum Teil auch simpler, wodurch der Comic für mich viel von seinem Charme verloren hat. Auch die Charaktere leiden darunter, denn im Grunde ist „DC Bombshells Vol. 1: Enlisted“ nicht mehr als ein Prolog, in dem zumindest ein Teil des wirklich großen all-female Casts eingeführt und vorgestellt werden. Denn auch wenn Marguerite Bennett vermutlich das Beste aus einer nicht sonderlich gnädigen Vorlage macht (I mean, come on, alternate WWII?) und die Story im Laufe der Serie auch noch besser wird (in Vol. 1 ist storytechnisch reichlich wenig los), die Charaktere leben vom Artwork und das ist eben nur zu 50% gelungen.

Alles in allem würde ich „DC Bombshells“ eigentlich echt nicht empfehlen, die Prämisse ist meh, die Story erstmal nonexistent, die zweite Hälfte war optisch überhaupt nicht mein Fall und erheblich queerer oder sonst wie diverser als in den Main-DC Titel geht es eigentlich auch nicht zu (auch wenn es vllt. mehr queerness on the page gibt). Trotzdem lese ich die Serie total gerne, einfach weil ich den all female Cast eben doch ganz lustig finde, Marguerite Bennett da doch viel Gutes rausholt und auch wenn das Artwork teils echt shoddy ist, gibt es zum Glück auch immer wieder fähige Künstler.

💬💬

Enthält DC Bombshells Issue #1 – #6

Goldie Vance Vol. 1

von Hope Larson (Story), Brittney Williams (Art) und Sarah Stern (Colors)

Eine junge, queere, mixed race Detektivin in den 1960er Jahren. Naja, offiziell arbeitet die 16-jährige Marigold „Goldie“ Vance für den Parkservice des Hotels, das ihr Vater managet. Auch inoffiziell ist sie höchstens die Assistentin des Hoteldetektivs. Aber ihr Traum ist es, eines Tages selbst Hoteldetektivin zu werden und in der Zwischenzeit stolpert sie auch so schon in allerlei abenteuerliche Fälle, die es aufzuklären gilt.

Das Artwork und die Farben von Brittney Williams und Sarah Stern fangen das Retrofeeling des Settings hervorragend ein, sie sind hell und machen schon beim Angucken Laune, was einfach perfekt zum Ton der Story von Hope Larson passt. Ja, es geht auch mal ernster zu, aber der Grundton in „Goldie Vance“ ist eigentlich immer froh und energisch, so wie eben auch die Protagonistin.

Story-technisch ist der Comic zwar etwas arg abgedreht und nicht immer so wirklich glaubwürdig, aber gleichzeitig macht gerade das seinen Charme mit aus. Außerdem lebt die Geschichte von den Charakteren, von Goldie und ihrer besten Freundin, die am Empfang des Hotels arbeitet, eines Tages aber die erste schwarze Astronautin werden will, und all den anderen coolen und interessanten Leuten, darunter auch Goldies stylisches Love Interest, Diane. Auch wenn nicht alles so ganz gelungen ist, Mean Girl Sugar kommt beispielsweise hier noch sehr klischeehaft rüber.

Fast-paced, super cute und durchweg positiver Comic voller Diversität, der sich zwar vornehmlich an ein etwas jüngeres Publikum richtet, aber auch für alle anderen, die etwas für Detektiv-Geschichten mit schnellen Autos und Mädels, die wissen, was sie wollen, übrighaben.

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Enthält Goldie Vance Issue #1 – #4

Brave Chef Brianna

von Sam Sykes (Story), Selina Espiritu (Art) und Sarah Stern (Colors)

Okay, ich geb’s zu, ich liebe Comics, in denen es ums Essen geht, wie z.B. auch „Space Battle Lunchtime“, und ich liebe Comics mit chubby & anxious Charakteren, wie z.B. „Moonstruck“. Dass ich außerdem alles mit phantastisch-mythologischen Elementen liebe, dürfte jedem, der schon mal auf meinem Blog gestöbert hat, klar sein. Und „Brave Chef Brianna“ hat alles davon! Und leider auch ein dickes, fettes Problem.

Die Story ist, wie gesagt, nicht problemfrei, aber beim Lesen fand ich den Comic trotzdem erstmal nicht schlecht. Brianna war für mich einfach total relatable und die Geschichte darüber, in die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen, eine, die mich angesprochen hat. Zugegeben, das Artwork war nicht so recht mein Ding – das Cover ist sooo schön und stimmungsvoll, der Comic dahinter fällt im Vergleich leider etwas flach, das Artwork ist simpler und die Farben waren für mich teils etwas off.

Mein Hauptproblem, dass mir erst rückblickend so richtig bewusst geworden ist, waren aber die super seltsamen Rassismus-Vibes, die die Geschichte durchziehen. Monster, die von Menschen verfolgt wurden und nun in segregierten Städten leben? Und die weiße, blonde – aufgrund ihres familiären Hintergrunds super privilegierte – Brianna ist nun die marginalized person, weil sie nach Monster City zieht und ihre Vorstellungen mit der dortigen Kultur clashen? Das ist … gelinde gesagt unglücklich umgesetzt und sendet irgendwie ziemliche mixed messages.

Beim Lesen war es nicht mehr als das undeutliche Gefühl, dass hier irgendwas falsch läuft, rückblickend ist es ein wirklich heftiges Problem, das dieser Comic hat. Schade, denn die Geschichte hat großartig angefangen und hätte in so viele, bessere Richtungen gehen können. So aber ist „Brave Chef Brianna“ leider nicht empfehlenswert.

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Enthält Brave Chef Brianna Issue #1 – #4 (Complete Limited Series)

Another Castle: Grimoire

von Andrew Wheeler (Story) und Paulina Ganucheau (Art, Colors)

Mehr Bubblegum-Optik! Ich finde, man sieht auf den ersten Blick, dass „Another Castle: Grimoire“ genau wie „Zodiac Starforce: By the Power of Astra“ von Paulina Ganucheau illustriert wurde. Grenzwertig pink, selbst für meine Verhältnisse, aber so gerade noch mein Geschmack.

Inhaltlich ist die Geschichte … honestly? Ich bin mir nicht mehr sicher, warum ich dem Comic nach dem Lesen vier von fünf Punkten gegeben habe, denn wenn ich jetzt so drüber nachdenke: So unglaublich toll war er eigentlich nicht. Ich will damit nicht sagen, dass „Another Castle: Grimoire“ schlecht war, im Gegenteil, die Story ist absolut solide, aber im Grunde eben auch nichts Besonderes.

Protagonistin Misty ist auf den ersten Blick die typische self rescuing princess – sie zieht los, um ihr Königreich zu retten, weil es ihr sinnvoller erscheint selbst aktiv zu werden als dazusitzen, bis sie an den Prinz des Nachbarkönigs verheiratet wird und der sich um die Probleme des Königreichs kümmern soll. Dummerweise ist nach dem vielversprechenden Anfang nicht mehr viel zu tun, denn der Prinzessin fällt danach alles mehr oder weniger zu während Andrew Wheeler versucht sie zur coolen, feministischen Protagonistin zu machen. Dabei sind die weiblichen Nebenfiguren aber wesentlich beeindruckender.

Alles in allem kein schlechter Comic, aber „Another Castle: Grimoire“ setzt darauf seine Hauptfiguren zu Symbolbildern hochzustilisieren – Prinzessin Misty ist die starke, selbstständige, schwertschwingende Proto-Heldin, Prinz Robin ist ein reines Symbolbild für social & political issues –, wodurch diese reichlich langweilig werden. Dafür sind die Nebencharaktere aber umso faszinierender, vor allem Gorga, die für mich die wahre Heldin des Comics war.

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Enthält Another Castle Issue #1 – #5

Archie Vol. 1

von Mark Waid (Story), Fiona Staples (Art #1-3), Annie Wu (Art #4) und Veronica Fish (Art #5-6)

„Archie“ ist so eine Comic-Reihe, die mir immer wieder mal begegnet ist, bei der für mich aber schnell feststand, dass ich sie wohl niemals lesen werde. Nicht nur, dass ich mit Comics aus der Mitte des letzten Jahrhunderts storytechnisch erfahrungsgemäß sehr wenig anfangen kann, der Zeichenstil sagt mir auch meist nicht zu – im Fall der alten Archie Comics finde ich ihn sogar besonders grässlich. Auch die Netflix Serie „Riverdale“ habe ich bisher gemieden wie die Pest, hauptsächlich weil sie von vielen sehr gehypt wurde und mich das sehr skeptisch gemacht hat. Dann hatte ich zufällig eine Ausgabe des „Archie“-Reboot von 2015 in der Hand und dachte mir, das sieht doch gar nicht so schlecht aus! Tja, und 6 Issues später kann ich sagen: Ist es auch nicht – es ist sogar ziemlich gut!

Zugegeben, dass Fiona Staples (mir vor allem durch „Saga“ bekannt und beliebt) für das Artwork der ersten drei Issues verantwortlich ist, hat viel dazu beigetragen, dass ich den Comic gekauft habe. Und viel dazu, dass die zweite Hälfte des Volumes in meinen Augen ein gutes Stück schlechter ist, denn die Figuren leben einfach von ihrem Artwork und auch wenn Annie Wu und Veronica Fish keine schlechten Künstlerinnen sind, gefallen mir die von ihnen gestalteten Issues leider ein Stück weniger.

Ein Highlight sind meiner Meinung nach die Szenen, in denen Archie die vierte Wand durchbricht und sich direkt an den Leser richtet. Das schafft Nähe zur Geschichte und zum Protagonisten, wobei mein liebster Charakter nicht Archie sondern sein bester Freund Jughead war. Was ich von den anderen Figuren, allen voran Betty und Veronica, halten soll, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht – in dieser Volume wirken sie noch nicht wie besondere vielschichtige Charaktere.

Insgesamt ein unterhaltsamer Comic, der besonders im Vergleich zu den Originalcomics (von denen immer wieder Auszüge abgedruckt sind) wirklich glänzen kann. Aber da die Reihe nicht weiter von Fiona Staples illustriert wird und ihr Artwork für mich viel vom Charme der Story ausmacht, weiß ich noch nicht, ob ich weiterlesen werde. Vielleicht lese ich auch erstmal den „Jughead“ Comic.

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Enthält Archie Issue #1 – #6

Okay, das war es schon wieder! Damit ist der dritte „Comics kurzgefasst“ Beitrag rum, aber keine Sorge, der nächste (okay, eigentlich alle bis #10) ist bereits fertig und wird pünktlich nächsten Mittwoch online gehen. Thema der Woche: Comics für Kinder.

Aktuell macht das 15 vorgestellte Comics mit einer durchschnittlichen Bewertung von 3,3 💬 – der heutige Beitrag zieht die Wertung eindeutig runter. Außerdem haben wir mit „Archie“ tatsächlich schon den zweiten Comic mit einem male lead! Bisher war „The Backstagers“ da ganz alleine.

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Zu diesem Post gibt es schon 6 Kommentare - lass doch auch einen da!

  1. Haha, als ich deinen Text zu „Bombshells“ gelesen habe, musste ich sofort an Archie denken, weil es mir da in Sachen Zeichenstilwechsel echt ähnlich ging – und dir dann ja auch. Fiona Staples war damals der Hauptgrund, warum ich zum Comic gegriffen habe, da wusste ich gar nicht, dass sie nicht die ganze Zeit dabei sein wird. (Auch wenn ich es mir irgendwie hätte denken können, Saga zeichnet sich ja auch nicht von allein.)

    1. Ich muss zugeben, ich bin auch immer noch verwirrt, wenn ich Comics lese, bei denen die Zeichner zwischendurch wechseln – die ersten, die ich gelesen habe (allen voran natürlich Saga 💙), hatten alle einen durchgehenden Zeichner 🙈 Finde das leider wirklich meist störend, weil ich Comics nun mal nur zu 50% wegen der Story auswähle und zu 50% wegen des Zeichenstils und da siehst du dann ja oft nur den der ersten Zeichner … Naja, habe mittlerweile sowohl „Archie“ als auch „Bombshells“ weitergelesen, mal schauen, ob ich weiterhin dranbleibe. Aber ich bin froh, dass es da nicht nur mir so geht! 😅

      1. Ich kann’s zwischendurch verstehen, wenn jemand mal eine Pause braucht. (So hatten sie es z.B. bei The Wicked + The Divine gemacht. Aber so ist klar, dass es irgendwann wieder durch ist. Aber den Stil komplett zu wechseln? Da bin ich genauso ratlos wie du. xD Mir geht’s da genauso – der Stil gehört einfach zum Leseerlebnis dazu und macht viel aus.

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