Chambers, Becky: Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten

Eigentlich ist SciFi ja gar nicht so sehr mein Genre. Oder eher: Mit dem, was in den letzten Jahren so unter der Überschrift SciFi über den Buchmarkt wanderte, konnte ich im Allgemeinen recht wenig anfangen. Becky Chambers‘ „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ hat mich allerdings irgendwie angelacht und auch wenn ich gar nicht mehr genau sagen kann, warum es letztlich in meinem Regal gelandet ist – ich denke, der Titel war Schuld -, bin ich ausgesprochen froh, dass ich es gelesen habe. Denn dieser Debütroman ist ein echtes Juwel.

Die Menagerie aus vernunftbegabten Wesen, mit der sie zusammen vor dem Schalter Schlange stand, hatte ihr unmissverständlich klargemacht, wie weit sie sich von Sol entfernt hatte.

Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten von Becky Chambers

Rosemary Harper will weg vom Mars und ihre Vergangenheit hinter sich lassen. Aufgewachsen auf dem Mars, wohlbehütet als Kind einer reichen Familie, ist das Weltall Neuland für Rosemary, doch die Schatten ihrer Vergangenheit treiben die Akademikerin fort von allem, das sie kannte. Sie heuert auf der Wayfarer an, einem Raumschiff, dessen bunt zusammengewürfelte Crew ihr Geld damit verdient, Löcher ins All zu stoßen und entlegene Ecken der Galaxie miteinander zu verbinden. Ihr stehen monatelange Reisen durchs All bevor und Begegnungen mit allerlei seltsamen Kreaturen – Menschen wie Aliens – bevor.

Zur Crew der Wayfarer gehören Kapitän Ashby, Pilotin Sissix, die Mechaniker Kizzy und Jenks, Bordcomputer Lovelace, Navigator Ohan, Algaeist Corbin und der Koch und Arzt Dr. Chef. Ashby, Kizzy, Jenks und Corbin sind Menschen – wie Rosemary -, doch sie alle haben völlig unterschiedliche Ursprünge und kulturelle Hintergründe. Ashby, ein Nachkomme der Exodus-Flotte, hat sein ganzes Leben auf Raumschiffen verbracht und nie auf festem Boden gelebt. Kizzy wurde von ihren beiden Vätern in einer ärmlichen Kolonie auf einem fernen Planeten aufgezogen. Und Jenks ist der Sohn einer Gaianerin, die zu einer menschlichen Sekte gehört, die dem technologischen Fortschritt entsagt und zum einfachen Leben auf der Erde zurück will. Und Corbins Herkunft verbirgt noch so allerlei Geheimnisse.

Auch die Aliens in der Crew haben völlig verschiedene Hintergründe: Sissix ist eine Art humanoides Reptil, ihre Art hat völlig andere Vorstellungen von Familie und Gemeinschaft als die Menschen und geht mit Intimität ebenfalls ganz anders um. Dr. Chef wird als eine Art Raupe mit Robbengesicht beschrieben, was ich mir wirklich knuffig vorgestellt habe, und ist einer der Letzten einer Art, die sich selbst an den Rand des Aussterbens gebracht hat. Und Ohan? Ohan gehören zu einer Art, die sich absichtlich mit einem Virus infiziert, das es ihnen erlaubt, das Universum in all seiner Komplexität zu verstehen – und ihr Leben drastisch verkürzt.

Und dann ist da noch Lovelace, der Bordcomputer, der aber so viel mehr ist als nur ein einfaches Programm – sie ist eine künstliche Intelligenz, die fähig ist Emotionen zu haben und ebenso Mitglied der Mannschaft wie alle anderen. Ich konnte schon auf den ersten Seiten nicht anders, als mich ein bisschen in diese Mannschaft zu verlieben. Sie allein ist schon so vielfältig, so divers und bei so eng zusammengeschweißt, dass man gar nicht anders kann, als sie zu mögen.

Alles, was dir bleibt, Rosemary – und das gilt für uns alle -, ist das Streben, stattdessen etwas Positives zu sein. Das ist eine Entscheidung, die jedes vernunftbegabte Wesen an jedem einzelnen Tag seines Lebens treffen muss. Das Universum ist das, was wir daraus machen.

Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten von Becky Chambers

Überhaupt war es diese Diversität verbunden damit, dass die Figuren im Grunde genommen alle die gleichen Dinge durchmachen, die mich so begeistert hat. In der Welt der Wayfarer sind homosexuelle Beziehungen ebenso normal wie polyamouröse, welche Farbe ein Mensch hat ist völlig wurscht, Wesen, die kein Geschlecht oder ein wechselndes Geschlecht haben, sind normal. Und die Charaktere, vor allem die menschlichen, reflektieren aktiv über ihre Vorurteile und vorschnelle Annahmen, z.B. wenn sie versuchen menschliche Standards auf Alienkulturen anzuwenden – denn die ticken nun einmal anders, haben nicht nur ein völlig anderes Aussehen sondern auch andere Kulturen und Maßstäbe.

Außerdem hat dieses Buch einfach so eine Feel-Good-Vibe. Ja, es passieren schreckliche Dinge, ja, es gibt böse Wesen und ja, jeder der Crew muss schwere Entscheidungen treffen und sich mit Geheimnissen auseinandersetzen. Aber das ändert nichts daran, dass das Universum ein großartiger Ort ist, voller Schönheit und Wesen, die ebenso viel Potential zum Guten wie zum Schlechten haben. Die ganze Geschichte ist einfach wundervoll optimistisch und eine Hommage an all die Dinge, die uns zu den Individuen machen, die wir sind, aber auch an die Gemeinsamkeiten, die uns verbinden, vor allem an die Freundschaft und Liebe, die auch die unterschiedlichsten Typen untrennbar zusammenschweißen kann.

Insgesamt ist Becky Chambers‘ „Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ einfach ein großartiges Buch – es ist voll und ganz Charakter-orientiert, heiße Actionszenen und Verfolgungsjagden gibt es nicht, dafür aber wirklich großartige Charaktere, die auch außerhalb der direkten Handlung ein komplexes Leben haben und die mich allesamt restlos faszinieren konnten. Wer das Buch noch nicht gelesen hat, der sollte es sich schleunigst zulegen oder es auf seinen Weihnachtswunschzettel packen ?

Für Fans von…

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Was andere Blogger sagen:

Tasmin von Tasmetu | Markus von Translate or Die

Habt ihr das Buch gelesen und rezensiert? Dann lasst mir doch einen Kommentar da und ich verlinke eure Rezension hier 😊

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Mehr zur Rezension

Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten (Wayfarers #1)
von Becky Chambers, übersetzt von Karin Will
(OT: The Long Way to a Small Angry Planet)

💖💖💖💖💖💖

erschienen bei Fischer TOR, Oktober 2016
544 Seiten, Taschenbuch
ISBN: 9783596035687

Kategorien: In Translation, Queergelesen, Rezensionen, Rikes Buchtipps
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    Ob wirklich schlecht oder einfach nicht der richtige Zeitpunkt: Dieses Buch habe ich abgebrochen
    💜
    Das war eindeutig nicht mein Buch. Aber so gar nicht.
    💙💙
    Überzeugen konnte mich dieses Buch leider nicht, auch wenn es gute Ideen hatte.
    💚💚💚
    So lala. Dieses Buch war weder gut noch schlecht und wahrscheinlich werde ich es nächste Woche wieder vergessen haben.
    💛💛💛💛
    Dieses Buch war ziemlich gut, aber ein paar Kleinigkeiten haben mich doch noch gestört.
    🧡🧡🧡🧡🧡
    Wirklich, wirklich gut. An dem Buch gab es quasi nichts, das mich gestört hat.
    💖💖💖💖💖💖
    Sooo gut! Ein Buch, das direkt ins Allzeit-Lieblingsbücher-Regal gewandert ist.

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